Zwei Wochen Freiheit in Syrien

08. Juli, 2011

Syrien erlebt wohl eine der brutalsten Niederschlagungen der Aufstände des Arabischen Frühlings. Die syrische Regierung bringt die Rufe nach Freiheit mit militärischer Härte zum Schweigen. Augenzeugen berichten von willkürlichen Verhaftungen, niedergebrannten Häusern und Feldern und Schüssen auf unbewaffnete Demonstranten. Mehr als 1.300 Menschen sollen in den vier Monaten des Aufstands in Syrien umgekommen sein.

Trauernde haben sich um den Sarg von Rafaat Deab versammelt. Laut Augenzeugenberichten wurde er von syrischen Sicherheitskräften in der Stadt Sermaniya erschossen.

Trauernde haben sich um den Sarg von Rafaat Deab versammelt. Laut Augenzeugenberichten wurde er von syrischen Sicherheitskräften in der Stadt Sermaniya erschossen.

Doch die Berichte von Staatsterror lassen sich kaum verifizieren. Journalisten können sich kein Bild der Situation machen. Die Syrische Regierung lässt sie nicht ins Land. Irgendwo zwischen Staatspropaganda und Augenzeugenberichten liegt die Wahrheit.

In einem kleinen Tal an der Grenze zur Türkei konnte man Einblick in die syrische Realität bekommen. Hunderte, wenn nicht tausende, Syrer waren hierhin vor der Gewalt in ihren Heimatstädten geflohen. Sie lebten in einem provisorischen Flüchtlingslager. Die meisten von ihnen kamen aus Jisr al-Shughour, wo es drei Monate nach Beginn des Aufstands zu Ausschreitungen kam.

Mehr als 15.000 Syrer sind in Flüchtlingslagern auf der türksichen Seite der Grenze untergekommen, aber die türkische Regierung hat sie von der Außenwelt abgeschirmt. Das Tal in Syrien hingegen war über Schmugglerpfade von der Türkei aus zu erreichen. Für Journalisten bot es die einzige Gelegenheit aus Syrien selbst zu berichten und mit syrischen Aufständischen zu reden.

In einem Haus nahe der türkischen Grenze haben syrische Dissidenten ihren Widerstand organisiert.

In einem Haus nahe der türkischen Grenze haben syrische Dissidenten ihren Widerstand organisiert.

Viele der geflohenen Syrer haben in dem Tal zum ersten Mal erlebt, was Freiheit heißt. Sie konnten ihre Meinung frei äußern, demonstrieren, Widerstand organisieren, ohne Angst dafür bestraft zu werden. “Das war eine Erfahrung, die wir nie zuvor gemacht haben. Nicht in meinem Leben, nicht im Leben meines Vaters”, hat Bilal, 30,  einem Reporter der New York Times gesagt. In einem kleinen Haus inmitten eines Olivenhains haben Dissidenten ihren Widerstand organisert, Videos von Demonstrationen, Beerdigungen, Ausschreitungen und dem Vormarsch der syrischen Armee verbreitet.

Nach zwei Wochen ist die syrische Armee in das Tal einmarschiert. Die Syrer sind aus dem provisorischen Flüchtlingslager in die Türkei geflohen. Was das für sie bedeutet hat Nasir, einer der Aufständischen gesagt: “Es ist vorbei. Unsere Freiheit ist vorbei.”

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